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Thema: Weihnachten

  1. #41
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    Der Weihnachtsmuckel

    von Petra Hoffmann


    Ich stand in der Küche und schob gerade das dritte Blech in den Ofen.
    Vanillekipferl und Berliner Brot lagen schon auf dem Rost zum Abkühlen.
    Nun wollte ich noch Spritzgebäck backen.
    Plötzlich hörte ich ein Geräusch im Hintergrund.
    Ich drehte mich um und sah ein kleines Männlein gerade einmal einen halben Meter hoch, das auf einem Bein durch unsere riesige Küche hüpfte.
    "Meine Güte", rief ich, "was hast Du mich erschrocken. Wer bist du und wo kommst Du her?"
    "Ich bin ein Weihnachtsmuckel", antwortete das Männlein, "ich komme direkt vom Weihnachtsmarkt.
    Einmal im Jahr darf ich vom Himmel zum Weihnachtsmarkt und anschließend noch zu irgendeiner Familie, welche ich mir aussuche.
    Ich freue mich schon lange vor Weihnachten darauf, denn der Weihnachtsmarkt in eurer Stadt ist der Schönste den ich kenne.
    So, und nun bin ich bei dir."
    Ich war ganz sprachlos denn einem Weihnachtmuckel hatte ich nie zuvor gesehen.
    "Komm", sagte ich, "setz dich und nimm ein paar von meinen leckeren Plätzchen."
    "Nein", antwortet das Männlein, "ich hab es eilig denn ich muss zurück in den Himmel.
    Du hast heute einen Wunsch frei, komm sag schnell was möchtest du."
    Ich hatte also einen Wunsch frei, aber was sollte ich mir wünschen?

    Ich hatte ja so ziemlich alles und außer "GESUNDHEIT" brauchte ich nichts.

    "Gut", sagte ich, "dann wünsche ich mir ........... plötzlich wachte ich auf...............
    Es war alles nur ein Traum denn ich hatte schon seit 4 Jahren keine Plätzchen mehr für meine Familie mehr gebacken.

    An diesem Nachmittag duftete es in unsrer Küche nach "selbstgebackenen Plätzchen und Weihnachtsmuckeln."

    Wann habt Ihr das letzte mal Plätzchen gebacken?

    *****
    Ein Rezept für:
    Euro-Plätzchen


    Zutaten:

    250 g Butter
    325 g Zucker
    1 Pck. Vanillinzucker
    350 g Mehl
    2 Eßl. Kakaopulver
    2 Eigelb
    4 Tl. Weinbrand
    200 g Vollmilch-Kuvertüre
    50 g weiße Kuvertüre

    Zubereitung:

    Butter mit 125 g Zucker, Vanillinzucker, Mehl, Kakao, Eigelb und 2 Tl. Weinbrand verkneten. 30 Minuten kaltstellen. Teig zu Rollen mit 4 cm Durchmesser formen. Die Rollen mit dem übrigen Weinbrand bestreichen, im restlichen Zucker wälzen und zugedeckt 2 Stunden kalt stellen.
    Elektro-Ofen auf 200° (Gas: Stufe 3) etwa 10 Minuten backen.
    Abkühlen lassen.
    Kuvertüren hacken, getrennt schmelzen.
    Auf die Plätzchen mit einer Kuvertüre kleine Kreise spritzen, trocknen lassen.

    Mit der anderen Kuvertüre ein Zeichen darauf malen.

  2. #42
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    Natürlich sollte man(n) oder auch Frau, von den gezuckerten Rollen dünne Scheibchen abschneiden, diese dann auf ein Backblech legen und ca. 10 Minuten "goldgelb" backen....aber nicht so:
    goldgelb !!
    wie mein schwarzer Hut

  3. #43
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    Weihnachtsmann, meine schönste Rolle

    von Jay Frankston


    Es gibt nichts schöneres als den Traum der Kinder vom Weihnachtsmann.
    Ich weiß es, denn ich habe ihn selbst oft geträumt. Aber ich bin Jude, und meine Eltern feierten Weihnachten nicht. Für alle anderen war es ein Fest, nur ich fühlte mich ausgeschlossen, weil ich nicht eingeladen war. Es ging mir nicht um die Spielsachen, sondern um den Weihnachtsmann und den Weihnachtsbaum.

    Als ich dann verheiratet war und Kinder hatte, beschloss ich das versäumte nachzuholen. Ich fing mit einer mehr als zwei Meter hohen Tanne an, die über und über mit Lichtern und Lametta geschmückt war. Das war 1956, und wir lebten damals in New York. Meine Tochter Claire war erst 2 Jahre alt, aber sie schaute mit leuchtend Augen auf den Baum. Er strömte eine Behaglichkeit aus, die in allen Ecken des Hauses zu spüren war. Auf seiner Spitze steckte ich einen Davidstern, um meine jüdischen Gäste zu besänftigen, die an der Pracht Anstoß nahmen. Vor dem glitzernden Baum wurde mir warm ums Herz, denn nun fand das Fest in meinem Haus statt, und jedermann war dazu eingeladen.
    Doch etwas fehlte noch, etwas Dickes, Rundes, Fröhliches mit Schlittenglöckchen und Hüh-Rufen.
    Also kaufte ich einen leuchtendroten Stoff, aus dem meine Frau mir ein Kostüm nähte. Kissen machten meinen dünnen Körper füllig, und eine Maske mit Bart und wallendem weißen Haar ließ mich so echt aussehen, dass ein Kind wirklich an den Weihnachtsmann glauben konnte. Als ich in den Spiegel blickte, stand er leibhaftig vor mir:
    der Weihnachtsmann meiner Kindheit. Ich lehnte mich zurück und schob den Kissenbauch vor. Meine Stimme wurde tiefer und klangvoller.
    "Allen frohe Weihnachten."
    Claire war fast vier und Danny noch nicht ein Jahr, als der Weihnachtsmann zum ersten mal zu uns kam.
    Ehrfürchtig saßen sie da, und in ihren Augen konnte ich die Ausstrahlung und den Zauber dessen erkennen, der ich geworden war. Der Weihnachtsmann war etwas besonderes. Er verkörperte Güte und Sanftmut, und er machte auch ein bischen Angst. Zwei Jahre lang spielte ich den Weihnachtsmann für meine Kinder, zu ihrer Furcht und ihrem Entzücken und zu meiner reinen Freude.

    Als sich das dritte Jahr dem Ende näherte, war der Weihnachtsmann in mir zu einer eigenen Persönlichkeit herangereift und brauchte ein größeres Betätigungsfeld. Daher suche ich für ihn nach einer Möglichkeit, wie er seine Aufgabe auch bei anderen Kindern erfüllen konnte.
    Im November beobachtete ich ein kleines Mädchen, das sich zu einem Briefkastenschlitz hochreckte und sagte:
    "Mutti, wird der Weihnachtsmann meinen Brief auch bestimmt bekommen?"
    Meine Gedanken begannen zu kreisen. Was geschieht mit diesen Briefen? Ein Anruf bei der Postverwaltung beantwortete meine Frage. In der Abteilung für unzustellbare Briefe stapelten sich Tausende in riesigen Säcken.
    Der Weihnachtsmann in mir machte ho! ho! ho!, und wir gingen zum Postamt.
    Als ich in den Briefen herumstöberte, ließen mich die Wunschzettel und die Habgier so vieler verwöhnter Kinder etwas unbehaglich fühlen. In den meisten Briefen hieß es:
    "Bring mir dies, bring mir das, bring mir jenes!"
    Doch aus der Tiefe des Postsacks hörte der Weihnachtsmann in mir eine Stimme. So suchte ich weiter, bis ich auf einen Brief stieß, der mich aufrüttelte:
    "Lieber Weihnachtsmann, ich bin ein elfjähriges Mädchen und habe zwei kleine Brüder und eine Schwester, die noch ein Baby ist. Letztes Jahr ist mein Vater gestorben, und meine Mutter ist krank. Ich weiß, dass viele noch ärmer sind als wir, und ich möchte nichts für mich. Aber könntest du uns nicht eine Decke schicken? Mutti friert nachts immer so."
    Die Zeilen waren mit Suzy unterschrieben.
    Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter.
    Ich wühlte weiter in den Postsäcken und fand noch acht ähnliche Briefe mit Hilferufen aus tiefer Armut. Ich nahm sie an mich und schickte jedem Kind ein Telegramm:
    "Habe Deinen Brief erhalten. Werde zu Dir kommen. Warte auf mich. Der Weihnachtsmann."
    Ich wusste, dass es mir unmöglich war, alle Bedürfnisse dieser Kinder zu erfüllen. Doch wenn ich ihnen wenigstens etwas Hoffnung bringen und ihnen das Gefühl geben konnte, dass ihre Hilferufe nicht ungehört verhallen.....

    Mit 150 Dollar machte ich mich auf den Weg, um Geschenke zu kaufen. Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhr mich meine Frau von Haus zu Haus. In der Nacht hatte es geschneit, und auf den Straßen lag nun eine dicke weiße Puderschicht. Mein erster Auftrag führte mich in die Außenbezirke der Stadt. Peter Barski hatte in seinem Brief geschrieben:
    "Lieber Weihnachtsmann, ich bin zehn Jahre alt und ein Einzelkind. Wir sind gerade erst hierhergezogen, und ich habe noch keine Freunde. Ich bin nicht traurig, weil ich arm, sondern weil ich einsam bin. Ich weiß, dass Du viele Leute besuchen musst. So frage ich gar nicht erst, ob Du zu mir kommen oder etwas mitbringen kannst. Aber könntest Du mir nicht einen Brief schreiben, damit ich weiß, dass es Dich gibt?"
    "Lieber Peter", begann mein Telegramm. "Es gibt mich nicht nur, sondern ich werde auch an Weihnachten bei dir sein. Warte auf mich."
    Das Haus, in dem Peter wohnte, war zwischen zwei hohen Gebäuden eingezwängt. Es hatte ein Wellblechdach und war eher eine Baracke als ein Haus. Mit einem Sack voller Spielsachen über der Schulter stieg ich die Stufen hinauf und klopfte an. Ein schwergewichtiger Mann öffnete die Tür.
    "Boze moj", sagte er erstaunt auf polnisch, das bedeutet "mein Gott".
    Dann hielt er die Hand vors Gesicht und stotterte:
    "Bitte, der Junge..... in der Messe. Ich werde ihn holen. Bitte warten Sie.
    " Er warf sich einen Mantel über, vergewisserte sich, dass ich warten würde, und lief die Straße hinunter.
    Gut gelaunt blieb ich vor dem Haus stehen. Da bemerkte ich auf der anderen Straßenseite noch eine Baracke. An der Fensterscheibe konnte ich kleine schwarze Gesichter sehen, die mir zuwinkten. Schüchtern wurde die Tür geöffnet, und mehrere Stimmen riefen:
    "Hallo, Weihnachtsmann!"
    Ho! ho! ho! frohlockte es in mir, als ich hinüberging.
    Eine Frau bat mich hinein, und ich folgte ihr. Drinnen waren fünf Kinder zwischen eins und sieben Jahren. Ich erzählte ihnen vom Weihnachtsmann und dem Geist der Liebe, der das Fest durchdringt. Als ich das zerrissene Geschenkpapier sah, fragte ich sie, ob ihnen die Gaben des Weihnachtsmanns gefielen.
    Alle bedankten sich bei mir - für die Wollsocken, den Pullover und die warme Unterwäsche.
    "Habe ich euch denn keine Spielsachen mitgebracht?"
    Traurig schüttelten sie den Kopf.
    "Hoppla, da ist wohl etwas falsch gelaufen", sagte ich. "Das müssen wir in Ordnung bringen." Weil ich wusste, dass wir noch Geschenke im Auto hatten, gab ich jedem Kind ein Spielzeug.
    Das war ein Lachen und eine Freude, aber als der Weihnachtsmann wieder aufbrechen wollte, bemerkte er ein weinendes Mädchen.
    Ich beugte mich zu ihm hinunter. "Was ist denn los?" "Ach, lieber Weihnachtsmann", schluchzte sie. "Ich bin so glücklich:"
    Unter meiner Gummimaske liefen ebenfalls die Tränen.

    Als ich auf die Straße trat, hörte ich Herrn Barski auf der gegenüberliegenden Seite:
    "Panie, panie, prosze...mein Herr, mein Herr, bitte!"
    Peter stand da und schaute, wie der Weihnachtsmann ins Haus trat.
    "Du bist gekommen", sagte er. "Ich habe geschrieben, und....du bist gekommen."
    Als er sich wieder gefangen hatte, sprach ich mit ihm über Einsamkeit und Freundschaft und gab ihm einen Chemiekasten und einen Basketball. Verwirrt bedankte er sich.
    Seine Mutter fragte ihren Mann etwas auf polnisch.
    Da meine Eltern Polen waren, spreche ich selbst ein bischen polnisch und verstehe das meiste. "Vom Nordpol", sagte ich auf polnisch. Sie sah mich erstaunt an.
    "Sie sprechen polnisch?" "Natürlich, der Weihnachtsmann kann alle Sprachen", sagte ich und ließ sie fröhlich und verwundert zurück.

    Als im folgenden Jahr die Weihnachtszeit näher rückte, spürte ich eine innere Aufregung und wusste, dass der Weihnachtsmann in mir zurückgekehrt war. So ging ich also wieder zum Postamt und las die herzzerreißenden Briefe. Ich hatte so viel Freude daran, den Weihnachtsmann zu spielen, dass ich in den folgenden Jahren weiterhin in seine Rolle schlüpfte.

    Als Claire zehn Jahre alt war, gab sie mir ein Gedicht, das mit den Worten begann:
    "An den Weihnachtsmann glaub' ich nicht mehr, aber lieben tu ich ihn sehr, weil's mein Vati ist. Ho! ho! ho!"
    Nun wusste sie es also. Ich führte sie in mein Spielzeuglager im Keller und ließ sie im Laden des Weihnachtsmanns herumstöbern. Sie bekam ganz große Augen über all die vielen Sachen, las die Briefe, weinte mit mir und wurde eine wichtige Hilfe. Sie suchte Spielzeug aus und verpackte es.
    Zwölf Jahre lang besuchte ich Kinder, lauschte auf ihre Schreie in ungeöffneten Briefumschlägen, beantwortete so viele Hilferufe wie möglich und ärgerte mich, dass ich nicht allen antworten konnte.
    Allmählich sprachen sich meine Auftritte herum, und Spielzeughersteller schickten mir ganze Kisten mit Geschenken.
    War ich anfangs in 20 Häusern gewesen, so wurden daraus 120 Besuche, von einer Tür zur anderen, in allen Ecken von New York, von Heiligabend bis zum Ende des ersten Weihnachtsfeiertags.

    Bei meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren wusste ich schon, dass es in der Familie vier Kinder gab, und war entsprechend vorbereitet. Das Haus war klein und bescheiden eingerichtet. Die Kinder hatten schon den ganzen Tag gewartet, immer wieder das Telegramm gelesen und ihrer skeptischen Mutter beteuert:
    "Er kommt bestimmt, Mutti, er kommt bestimmt."
    Auf mein Klingelzeichen geht die Tür weit auf. Alle greifen nach meinen Händen und halten sie fest.
    "Hallo, lieber Weihnachtsmann. Wir haben es gewusst, dass du kommst." Die armen Kinder strahlen vor Freude und jauchzen. Ich nehme sie der Reihe nach auf den Schoß und erzähle Geschichten über die Freude, das Hoffen und Warten, und alle bekommen ein Spielzeug.
    Während der ganzen Zeit steht ein fünftes Kind in der Ecke, ein hübsches Mädchen mit blondem Haar und blauen Augen. Ich wende mich an sie und sage:
    "Du gehörst nicht zur Familie, oder?" Betrübt schüttelt sie den Kopf und flüstert:
    "Nein."
    "Wie heißt du denn?" frage ich.
    "Lisa." "Und wie alt bist du?" "Sieben."
    "Komm her, und setz' dich auf meinen Schoß." Sie zögert, aber dann kommt sie.
    "Hast du zu Weihnachten etwas zum spielen bekommen?" frage ich. "Nein", sagt sie, und so hole ich eine wunderschöne große Puppe hervor. "Möchtest du diese Puppe?"
    "Nein", sagt sie. Und sie kommt noch näher und flüstert mir ins Ohr:
    "Ich bin Jüdin." Da stupse ich sie an und sage ganz leise:
    "Ich bin auch Jude."
    Lisa lächelt breit von einem Ohr zum anderen. Sie nimmt die Puppe, umarmt sie und läuft hinaus.
    Ich weiß nicht, wer glücklicher ist, sie oder der Weihnachtsmann in mir.

    Frohe Weihnachten, Ihnen allen.

  4. #44
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    Wie der kleine Weihnachtsengel glücklich wurde

    von Fabian Lith



    Als der kleine Weihnachtsengel erwachte, befand er sich in dem festlich geschmückten Zimmer. Er hing an einem Zweig des Christbaumes ganz in der Nähe einer dicken roten Glaskugel, und wenn er in die Höhe schaute, bis zur Spitze des Baumes, so gewahrte er dort den Weihnachtsstern. Dem kleinen Weihnachtsengel wurde ganz feierlich zumute. Er erlebte dieses alles ja zum ersten Male in seinem Leben; denn er war erst gestern gekauft worden.

    "He! Wer sind Sie denn?" plärrte da eine Stimme durch den Raum.
    Der Weihnachtsengel erschrak. "Ist jemand da?" fragte er. "Das will ich meinen", lautete die Antwort. "Schauen Sie einmal nach unten". Der kleine Weihnachtsengel folgte dieser Aufforderung und erblickte zu Füßen des Christbaumes einen großen, buntgekleideten Herrn mit einem entsetzlich breiten Mund.
    “ Ich bin ein Weihnachtsengel", stellte sich der Weihnachtsengel vor.
    "Und wer sind Sie?"
    Der buntgekleidete Herr war empört über diese Frage. Er vertrat nämlich die Ansicht, jeder auf der Welt müsse ihn kennen.
    "Na, hören Sie mal!" sagte er. "Kennen Sie etwa mich, den Nussknacker, nicht?
    Ich bin eine der berühmtesten Persönlichkeiten aller Zeiten.
    “Und bei diesen Worten klapperte er abscheulich mit seinem breiten Mund."
    “Entschuldigen Sie vielmals", sagte der Weihnachtsengel.
    "Ich habe Sie wirklich noch nie in meinem Leben gesehen." "Ich dachte es mir", erwiderte der Nussknacker. "Sie sehen auch ziemlich dumm aus, und arm scheinen Sie obendrein zu sein.
    "Er wandte sich an einen Herrn, der neben ihm stand. "Was meinen Sie dazu, Herr Räuchermännchen?"
    Das Räuchermännchen sah aus wie ein Nachtwächter. Es trug einen breitkrempigen Hut, einen langen Mantel, ein Nachtwächterhorn, und es paffte aus einer langen Großvaterpfeife.
    "Mich geht das nichts an!" brummelte das Räuchermännchen und stieß eine dicke Rauchwolke von sich. "Aber wenn Sie mich fragen, so meine ich, ein wenig Farbe könnte nicht schaden.
    "Der Nussknacker lachte laut auf. "Ja, sehen Sie mich an, meine prächtige Uniform!" rief er.
    "Ein roter Rock mit goldenen Tressen, eine blaue Hose und ein herrlich langer Säbel. Auf meiner Brust erblicken Sie silberne und goldene Orden, und meine Mütze ist aus edlem Pelzwerk."
    Da musste der kleine Weihnachtsengel dem Nussknacker recht geben. Er war wirklich ein schmucker Herr, der sich sehen lassen konnte.
    Der kleine Weihnachtsengel hingegen trug nur ein schlichtes Hemdkleid, das ihm bis zu den Füßen reichte. Auf dem Rücken hatte er zwei Flügel, und das einzig Farbige an ihm waren seine rosa Bäckchen. Und das war nun wahrhaftig nicht viel. Der kleine Weihnachtsengel schämte sich, dass er so einfach gekleidet war, viel einfacher noch als das Räuchermännchen, das immerhin zum roten Mantel einen grünen Hut trug, das ein goldenes Horn besaß und eine braune Pfeife zum Räuchern. "Es ist wirklich traurig, wenn man so aussieht wie Sie", meckerte der Nussknacker, klapperte mit seinem breiten Mund, wackelte mit dem Kopf und fragte:
    "Sind Sie wenigstens zu etwas nütze?"
    Der Weihnachtsengel wusste nicht, was das ist, zu etwas nütze sein. Er musste es sich von dem Nussknacker erklären lassen. Zu etwas nütze sein, so erläuterte ihm der Nussknacker, das sei, wenn man eine gewichtige Aufgabe zu erfüllen habe, wie er zum Beispiel.
    "Ich knacke nämlich Nüsse", sagte der Nussknacker und plusterte sich dabei gewaltig auf; denn er war der Meinung, Nüsse knacken sei überhaupt die wichtigste Beschäftigung der Welt. "Knacken Sie vielleicht auch Nüsse?" fragte er den Weihnachtsengel."
    “ Nein", antwortete der Weihnachtsengel leise, "ich knacke keine Nüsse."
    "Das war mir von Anfang an klar!" rief der Nussknacker. "Sie haben auch einen viel zu kleinen Mund." Er blickte triumphierend in die Runde, als suche er Beifall für seine Worte.
    Aber nur das Räuchermännchen nickte mit dem Kopf und meinte, so einfach sei es eben nicht, zu etwas nütze zu sein. Und das Räuchermännchen fragte den Weihnachtsengel, ob er denn vielleicht räuchern und für einen guten Duft in der Weihnachtsstube sorgen könne.
    Der Weihnachtsengel musste gestehen, dass er auch nicht zu räuchern verstehe.
    "Dann können wir leider nicht mit Ihnen verkehren!" rief höchnäsig der Nussknacker.
    "Wir unterhalten uns nur mit Leuten, die farbenprächtig gekleidet sind, wie es sich gehört, und die zu etwas nütze sind." Das Räuchermännchen nickte zu diesen Worten und stieß dicke Rauchwolken aus, während der Nussknacker mit dem breiten Mund klapperte.
    Der Weihnachtsengel aber wurde sehr traurig. Er hatte es nie empfunden, dass er arm und gar zu schlicht gekleidet sei. Er hatte sich recht glücklich gefühlt in seinem langen weißen Kleid. Es war ihm auch nie bewusst geworden, dass man zu etwas nütze sein müsse. Aber natürlich, der Nussknacker und das Räuchermännchen hatten recht.
    Was wollte er, der Weihnachtsengel, in der Weihnachtsstube? Er war nicht schön, wie alles ringsum, und da gab es nichts, wo er sich hätte nützlich machen können.
    Eine winzige Träne kullerte dem kleinen Weihnachtsengel über das Gesicht. Er wandte sich hilfesuchend an den Nussknacker und fragte:
    "Was soll ich tun? Was raten Sie mir?" Der Nussknacker lachte hämisch und sagte:
    "Ich an Ihrer Stelle würde rasch zurückkehren in den Pappkarton, der auf dem Speicher steht."
    Ehe aber der kleine Weihnachtsengel diesen bösen Rat befolgen konnte, öffnete sich die Tür der Weihnachtsstube. Der Vater trat ein, nahm ein Zündholz und steckte die Kerzen in Brand. Dann läutete er mit einer kleinen Porzellanglocke, und die Mutter kam mit den Kindern ins Zimmer. Alle sangen gemeinsam ein Weihnachtslied, und jedes der Kinder musste ein Gedicht aufsagen. Thomas aber, der Jüngste, blieb mitten in seinem Gedicht stecken.
    Er hatte den neuen Weihnachtsengel im Baum entdeckt, und glücklich rief er:
    "Oh, Mutti, ist der schön!"
    Bums - machte es da. Der Nussknacker war vor Ärger umgefallen, und das Räuchermännchen verschluckte sich vor Schreck am Rauch und musste husten. Aber niemand kümmerte sich um sie.
    Alle betrachteten den kleinen Weihnachtsengel. Dessen Wangen aber röteten sich vor Freude noch mehr. Er wusste nun, dass man nicht unbedingt bunt sein und mit seinem breiten Mund klappern muss.
    Auch ein schlichter Weihnachtsengel ist schön. Thomas hatte es gesagt.
    Und nützlich?
    Na, ist es nichts, wenn einer einen kleinen Buben glücklich macht?

  5. #45
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    Der Engel der nicht singen wollte

    von Werner Reiser


    Als die Menge der himmlischen Heerscharen über den Feldern von Betlehem jubelte:
    "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden", hörte ein kleiner Engel plötzlich zu singen auf. Obwohl er im unendlichen Chor nur eine kleine Stimme war, machte sich sein Schweigen doch bemerkbar. Engel singen in geschlossenen Reihen, da fällt jede Lücke sogleich auf. Die Sänger neben ihm stutzten und setzten ebenfalls aus. Das Schweigen pflanzte sich rasch fort und hätte beinahe den ganzen Chor ins Wanken gebracht, wenn nicht einige unbeirrbare Großengel mit kräftigem Anschwellen der Stimmen den Zusammenbruch des Gesanges verhindert hätten.

    Einer von ihnen ging dem gefährlichen Schweigen nach. Mit bewährtem Kopfnicken ordnete er das weitere Singen in der Umgebung und wandte sich dem kleinen Engel zu.

    Warum willst du nicht singen?" fragte er ihn streng. Er antwortete:
    "Ich wollte ja singen. Ich habe meinen Part gesungen bis zum "Ehre sei Gott in der Höhe". Aber als dann das mit dem "Frieden auf Erden unter den Menschen" kam, konnte ich nicht mehr weiter mitsingen. Auf einmal sah ich die vielen Soldaten in diesem Land und in allen Ländern. Immer und überall verbreiten sie Krieg und Schrecken, bringen Junge und Alte um und nennen das Frieden. Und auch wo nicht Soldaten sind, herrschen Streit und Gewalt, fliegen Fäuste und böse Worte zwischen den Menschen und regiert die Bitterkeit gegen Andersdenkende. Es ist nicht wahr, dass auf Erden Friede unter den Menschen ist, und ich singe nicht gegen meine Überzeugung! Ich merke doch den Unterschied zwischen dem, was wir singen, und dem, was auf Erden ist. Er ist für mein Empfinden zu groß, und ich halte diese Spannung nicht länger aus."

    Der große Engel schaute ihn lange schweigend an. Er sah wie abwesend aus. Es war, als ob er auf eine höhere Weisung lauschen würde. Dann nickte er und begann zu reden:
    "Gut. Du leidest am Zwiespalt zwischen Himmel und Erde, zwischen der Höhe und der Tiefe. So wisse denn, dass in dieser Nacht eben dieser Zwiespalt überbrückt wurde. Dieses Kind, das geboren wurde und um dessen Zukunft du dir Sorgen machst, soll unseren Frieden in die Welt bringen. Gott gibt in dieser Nacht seinen Frieden allen und will auch den Streit der Menschen gegen ihn beenden. Deshalb singen wir, auch wenn die Menschen dieses Geheimnis mit all seinen Auswirkungen noch nicht hören und verstehen. Wir übertönen mit unserem Gesang nicht den Zwiespalt, wie du meinst. Wir singen das neue Lied." Der kleine Engel rief: "Wenn es so ist, singe ich gerne weiter."

    Der Große schüttelte den Kopf und sprach: "Du wirst nicht mitsingen. Du wirst einen anderen Dienst übernehmen. Du wirst nicht mit uns in die Höhe zurückkehren. Du wirst von heute an den Frieden Gottes und dieses Kindes zu den Menschen tragen. Tag und Nacht wirst du unterwegs sein. Du sollst an ihre Häuser pochen und ihnen die Sehnsucht nach ihm in die Herzen legen. Du musst bei ihren trotzigen und langwierigen Verhandlungen dabeisein und mitten ins Gewirr der Meinungen und Drohungen deinen Gedanken fallen lassen. Du mußt ihre heuchlerischen Worte aufdecken und die anderen gegen die falschen Töne misstrauisch machen. Sie werden dir die Türe weisen, aber du wirst auf den Schwellen sitzen bleiben und hartnäckig warten. Du musst die Unschuldigen unter deine Flügel nehmen und ihr Geschrei an uns weiterleiten. Du wirst nichts zu singen haben, du wirst viel zu weinen und zu klagen haben. Du hast es so gewollt. Du liebst die Wahrheit mehr als das Gotteslob. Dieses Merkmal deines Wesens wird nun zu deinem Auftrag. Und nun geh. Unser Gesang wird dich begleiten, damit du nie vergisst es, dass der Friede in dieser Nacht zur Welt gekommen ist."

    Der kleine Engel war unter diesen Worten zuerst noch kleiner, dann aber größer und größer geworden, ohne dass er es selber merkte. Er setzte seinen Fuß auf die Felder von Betlehem. Er wanderte mit den Hirten zu dem Kind in der Krippe und öffnete ihnen die Herzen, dass sie verstanden, was sie sahen. Dann ging er in die weite Welt und begann zu wirken. Angefochten und immer neu verwundet, tut er seither seinen Dienst und sorgt dafür, dass die Sehnsucht nach dem Frieden nie mehr verschwindet, sondern wächst, Menschen beunruhigt und dazu antreibt, Frieden zu suchen und zu schaffen. Wer sich ihm öffnet und ihm hilft, hört plötzlich wie von ferne einen Gesang, der ihn ermutigt, das Werk des Friedens unter den Menschen weiterzuführen.

  6. #46
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    ...weil Weihnachten ist, kommen heute ein paar Geschichten mehr

    Was wir uns schenken werden

    Autor: Ephraim Kishon


    Damit Klarheit herrscht:
    Geld spielt bei uns keine Rolle, solange wir noch Kredit haben. Die Frage ist, was wir einander zu den vielen Festtagen des Jahres schenken sollen. Wir beginnen immer schon Monate vorher an Schlaflosigkeit zu leiden. Der Plunderkasten "Zur weiteren Verwendung" kommt ja für uns selbst nicht in Betracht. Es ist ein fürchterliches Problem.

    Vor drei Jahren, zum Beispiel, schenkte mir meine Frau eine komplette Fechtausrüstung und bekam von mir eine zauberhafte Stehlampe. Ich fechte nicht. Vor zwei Jahren verfiel meine Frau auf eine Schreibtischgarnitur aus carrarischem Marmor - samt Briefbeschwerer, Brieföffner, Briefhalter und Briefmappe, während ich sie mit einer zauberhaften Stehlampe überraschte. Ich schreibe keine Briefe. Vorheriges Jahr erreichte die Krise ihren Höhepunkt, als ich meine Frau mit einer zauberhaften Stehlampe bedachte und sie mich mit einer persischen Wasserpfeife. Ich rauche nicht.

    Heuer trieb uns die Suche nach passenden Geschenken beinahe in den Wahnsinn. Was sollten wir einander noch kaufen?
    Gute Freunde informierten mich, dass sie meine Frau in lebhaftem Gespräch mit einem Grundstücksmakler gesehen hätten. Wir haben ein gemeinsames Bankkonto, für das meine Frau auch allein zeichnungsberechtigt ist. Erbleichend nahm ich sie zur Seite: "Liebling, das muss aufhören. Geschenke sollen Freude machen, aber keine Qual. Deshalb werden wir uns nie mehr den Kopf darüber zerbrechen, was wir einander schenken sollen. Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen einem Feiertag und einem schottischen Kilt, den ich außerdem niemals tragen würde. Wir müssen vernünftig sein, wie es sich für Menschen unseres Intelligenzniveaus geziemt. Lass uns jetzt ein für alle Mal schwören, dass wir einander keine Geschenke mehr machen werden!"

    Meine Frau fiel mir um den Hals und nässte ihn mit den Tränen der Dankbarkeit. Auch sie hatte an eine solche Lösung gedacht und hatte nur nicht gewagt, sie vorzuschlagen. Jetzt war das Problem für alle Zeiten gelöst. Am nächsten Tag fiel mir ein, dass ich meiner Frau zum bevorstehenden Fest doch etwas kaufen müsste. Als erstes dachte ich an eine zauberhafte Stehlampe, kam aber wieder davon ab, weil unsere Wohnung durch elf zauberhafte Stehlampen nun schon hinlänglich beleuchtet ist. Außer zauberhaften Stehlampen wüsste ich für meine Frau nichts Passendes oder höchstens ein Brillantdiadem - das einzige, was ihr noch fehlt.
    Einem Zeitungsinserat entnahm ich die derzeit gängigen Preise und ließ auch diesen Gedanken wieder fallen.

    Zehn Tage vor dem festlichen Datum ertappte ich meine Frau, wie sie ein enormes Paket in unsere Wohnung schleppte. Ich zwang sie, es auf der Stelle zu öffnen. Es enthielt pulverisierte Milch. Ich öffnete jede Dose und untersuchte den Inhalt mit Hilfe eines Siebes auf Manschettenknöpfe, Krawattennadeln und ähnliche Fremdkörper. Ich fand nichts. Trotzdem eilte ich am nächsten Morgen, von unguten Ahnungen erfüllt, zur Bank. Tatsächlich: Meine Frau hatte 260 Pfund von unserem Konto abgehoben, auf dem jetzt nur noch 80 Aguroth verblieben, die ich sofort abhob.

    Heißer Zorn überkam mich. Ganz wie Du willst, fluchte ich in mich hinein. Dann kaufe ich dir also einen Astrachanpelz, der uns ruinieren wird. Dann beginne ich jetzt, Schulden zu machen, zu trinken und Kokain zu schnupfen. Ganz wie du willst. Gerade als ich nach Hause kam, schlich sich meine Frau, abermals mit einem riesigen Paket, durch die Hintertür ein. Ich stürzte auf sie zu, entwand ihr das Paket und riss es auf - natürlich. Herrenhemden. Eine Schere ergreifen und die Hemden zu Konfetti zerschneiden war eins. "Da - da!" stieß ich keuchend hervor. "Ich werde dich lehren, feierliche Schwüre zu brechen!" Meine Frau, die soeben meine Hemden aus der Wäscherei geholt hatte, versuchte einzulenken. "Wir sind erwachsene Menschen von hohem Intelligenzniveau", behauptete sie. "Wir müssen Vertrauen zueinander haben. Sonst ist es mit unserem Eheleben vorbei. "Ich brachte die Rede auf die abgehobenen 260 Pfund. Mit denen hätte sie ihre Schulden beim Friseur bezahlt, sagte sie.

    Einigermaßen betreten brach ich das Gespräch ab. Wie schändlich von mir, meine kleine Frau, die beste Ehefrau von allen, so völlig grundlos zu verdächtigen. Das Leben kehrte wieder in seine normalen Bahnen zurück. Im Schuhgeschäft sagte man mir, dass man die gewünschten Schlangenschuhe für meine Frau ohne Kenntnis der Fußmaße nicht anfertigen könne, und ich sollte ein Paar alte Schuhe als Muster mitbringen. Als ich mich mit dem Musterpaar unterm Arm aus dem Haupttor drückte, sprang meine Frau, die dort auf der Lauer lag, mich hinterrücks an. Eine erregte Szene folgte. "Du charakterloses Monstrum!" sagte meine Frau. "zuerst wirfst du mir vor, dass ich mich nicht an unsere Abmachung halte, und dann brichst du sie selber! Wahrscheinlich würdest du mir auch noch Vorwürfe machen, weil ich dir nichts geschenkt habe ..." So konnte es nicht weitergehen. Wir erneuerten unseren Eid. Im hellen Schein der elf zauberhaften Stehlampen schworen wir uns, bestimmt und endgültig keine Geschenke zu kaufen.

    Zum ersten Mal seit Monaten zog Ruhe in meine Seele ein. - Am Nächsten Morgen folgte ich meiner Frau heimlich auf ihrem Weg nach Jaffa und war sehr erleichtert, als ich sie ein Spezialgeschäft für Damenstrümpfe betreten sah. Fröhlich pfeifend kehrte ich nach Hause zurück. Das Fest stand bevor und es würde keine Überraschung geben. Endlich! Auf dem Heimweg machte ich einen kurzen Besuch bei einem befreundeten Antiquitätenhändler und kaufte eine kleine chinesische Vase aus der Ming-Periode.

    Das Schicksal wollte es anders. Warum müssen die Autobusfahrer auch immer so unvermittelt stoppen. Ich versuchte die Scherben zusammenzuleimen, aber das klappte nicht recht. Umso besser. Wenigstens kann ich meine Frau keines Vertragsbruches zeihen.

    Meine Frau empfing mich im Speisezimmer festlich gekleidet und mit glückstrahlendem Gesicht. Auf dem großen Speisezimmertisch sah ich, geschmackvoll arrangiert, einen neuen elektrischen Rasierapparat, drei Kugelschreiber, ein Schreibmaschinenfutteral aus Ziegenleder, eine Schachtel Skiwachs, einen Kanarienvogel komplett mit Käfig, eine Brieftasche, eine zauberhafte Stehlampe, einen Radiergummi und ein Koffergrammophon (das sie bei dem alten Strumpfhändler in Jaffa am Basar unter Der Hand gekauft hatte).

    Ich stand wie gelähmt und brachte kein Wort hervor. Meine Frau starrte mich ungläubig an. Sie konnte es nicht fassen, dass ich mit leeren Händen gekommen war. Dann brach sie in konvulsivisches Schluchzen aus:
    "Also so einer bist du. So behandelst du mich. Einmal in der Zeit könntest du mir eine kleine Freude machen - aber das fällt dir ja gar nicht ein. Pfui, pfui, pfui. Geh mir aus den Augen. Ich will dich nie wieder sehen ..."

    Erst als sie geendet hatte, griff ich in die Tasche und zog die goldene Armbanduhr mit den Saphiren hervor.
    Kleiner dummer Liebling.

  7. #47
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    Der kleine Schutzengel

    von Sieglinde Breitschwerdt


    Sehnsüchtig sah Emanuel zu, wie wieder viele Engel die Himmelsleiter hinabstiegen. Sie beeilten sich, wollten rechtzeitig an Ort und Stelle sein, um die Neugeborenen zu beschützen.
    "Ach, was würde ich dafür geben, wenn ich auch ein Schutzengel sein dürfte", seufzte er. "Aber ich habe ja noch nicht einmal Flügel!"
    "Emanuel, komm zu mir!" rief Erzengel Gabriel. Er nahm den Kleinen an die Hand und führte ihn zur himmlischen Kleiderkammer. Weiße Gewänder, Flügelpaare und Heiligenscheine wurden dort aufbewahrt.
    Gabriel suchte für ihn ein passendes Gewand, Flügelchen und einen Heiligenschein aus. Er half ihm beim Anziehen, steckte die Flügelchen fest und sagte:
    "So mein Kleiner, jetzt bist du ein Schutzengel!"
    Emanuel hüpfte vor lauter Freude im Kreis und fragte aufgeregt: "Wohin schickst du mich?"
    Gabriel zeigte in die Ferne. Am Himmel leuchtete ein wunderschöner Stern mit einem langen silbernen Schweif: "Folge immer diesem Stern, solange, bis er stehen bleibt. Dort wird heute Nacht ein neuer, großer König geboren! Er wird für alle Menschen der König des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung sein!"
    Ein König, dachte Emanuel und ihm wurde ganz bange:
    "Braucht ein großer König nicht auch einen großen Schutzengel?"
    Der Erzengel lächelte und drückte ihm sanft den Heiligenschein aufs Haupt: "Nein, nein! Ein kleiner König und ein kleiner Engel passen gut zusammen!"
    Wenig später kletterte Emanuel die Himmelsleiter hinab und folgte immer dem großen Stern.
    Ich werde auf meinen König gut aufpassen, dachte er. Wehe, wenn ihm einer etwas tut, dann verhau' ich ... Erschrocken hielt er inne. Ein richtiger Engel durfte so etwas nicht einmal denken.
    Hin und wieder schaute er zum Himmel. Er bemerkte, dass der Stern allmählich langsamer wurde. Erstaunt blickte er sich um. Nirgends sah er einen Palast, oder wenigstens ein großes vornehmes Haus?
    Er kam durch ein kleines Dorf. Die meisten Häuser waren alt und verfallen, in denen nur arme Leute wohnten.
    Neben einem Gasthof stand ein Stall; über ihm blieb der Stern stehen.
    Geduldig wartete er darauf, daß der Stern weiterwandern würde. Aber nichts geschah.
    Oh mein Gott, durchfuhr es ihn, ich bin dem falschen Stern gefolgt! Vielleicht habe ich mich verlaufen? Ratlos setzte er sich nieder.
    Da fiel ihm der kleine König ein, den er beschützen sollte.
    Emanuel war so traurig, dass er bitterlich weinte.
    Plötzlich fühlte er etwas Weiches an seinem Knie. Ein Schaf rieb sein Köpfchen daran. "Warum bist du so traurig, kleiner Engel?" fragte es.
    "Ich habe mich verlaufen!" schluchzte er.
    "Verlaufen?" blökte das Schaf verwundert.
    Er nickte.
    "Irgendwo wird ein neuer König geboren, und nun hat er keinen Schutzengel, weil ich den Palast nicht finden kann!"
    Emanuel nahm den Zipfel seines Gewands und schneuzte sich.
    "Im Stall wird auch ein Kind geboren! Aber das sind sehr arme Leute!" mähte das Schaf. "Sie kamen mit einem Esel aus einer fernen Stadt!"
    Emanuel sah sich um. Er entdeckte auch keinen anderen Engel.
    Er streichelte dem Schaf über das Köpfchen und murmelte: "Das arme Kind. Kein Schutzengelchen weit und breit!"
    "Dann beschütze doch du das Kind!" schlug das Schaf vor. "Arme Leute haben es nicht leicht im Leben!"
    Er nickte. Das Schaf hatte recht. Der kleine Engel stand auf und ging in den Stall. Ein Ochse und ein Esel lagen im Stroh.
    Ein älterer Mann stand neben seiner junge Frau, die ihr Kind in die Krippe legte. Emanuel trat näher und sah sich das Neugeborene genauer an. Es war ein hübscher kleiner Junge.
    Plötzlich hörte er Räderknirschen, Hufgetrampel und Gewieher; dem folgten Fanfarenstöße und Herolde riefen: "Macht Platz für die Könige!"
    Prunkvoll geschmückte Pferde und Kamele hielten vor dem Stall.
    Drei Könige in kostbare Gewänder gehüllt, mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern, betraten den ärmlichen Raum. Sie beglückwünschten die Eltern zur Geburt ihres Kindes und überreichten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es waren Geschenke für das Neugeborene.
    Sie knieten vor der Krippe nieder und jeder König küsste dem kleinen Jungen das Händchen.
    Wenig später kamen Hirten. Als sie das Kind in der Krippe sahen, gaben sie ihm alles, was sie hatten:
    Brot und Käse, Früchte und Wein, dann knieten auch sie nieder.
    Ehrfurchtsvoll und staunend hatte Emanuel alles beobachtet.
    Sein kleiner Schützling musste schon etwas Besonderes sein, wenn Könige wie Hirten gleichermaßen vor ihm niederknieten.
    Er beugte sich etwas vor - und das Kind lächelte ihn an.
    Ich habe mich doch nicht verlaufen, dachte der kleine Schutzengel überglücklich.
    Ich bin auch nicht dem falschen Stern gefolgt. Er ist der neue große König, der König des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, und ich... ich ... ich darf ihn beschützen!

  8. #48
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    Papa, erzähl mir vom Himmel

    Verfasser unbekannt



    Märchen beginnen normal immer mit „ Es war einmal“

    Meine heutige Weihnachtsgeschichte, nicht. Denn diese Geschichte kann jedes Jahr und überall geschehen, aber eben nur, in der Weihnachtszeit.

    Ein Vater hatte gerade seine kleine Tochter vom Kindergarten abgeholt und wie jeden vorangegangenen Tag fragte Klein Anna auch heute:

    „ Papa wie oft muss ich noch schlafen bis das Christkind kommt ?“

    „ Du kannst es ja heuer überhaupt nicht erwarten, aber ich sage es dir,

    einmal noch schlafen und dann kommt das Christkind !“

    „ Einmal noch! Nur noch heute ? Dann kommt das Christkind mit all den Päckchen ?

    Glaubst du dass es meinen Wunschzettel gefunden hat ?“

    „ Er war weg !“ „ Ja du weisst wie oft bei mir ein Spielzeug weg ist

    und das hat auch nicht das Christkind geholt !“

    „ Anna das ist doch ganz was anderes, deine Spielsachen tauchen alle wieder einmal auf, unterm Bett, im Kasten oder sonst wo !“

    „ Und Mama? Hat die auch das Christkind geholt ?“

    „ Wie kommst du auf das ??“ „ Na ja wegen dem Wunschzettel, den hat doch das Christkind geholt, dann hat sie vielleicht auch die Mama.....

    „ Ja das kann man auch so sagen, Mama ist im Himmel und das Christkind auch!“

    „ Papa du schreibst doch Bücher und Geschichten hast du auch eine über den Himmel!“

    „ Nein, aber ich werde dir heute vor dem einschlafen eine Geschichte über den Himmel erzählen, aber jetzt lass uns erst mal nach Hause gehen“

    Hand in Hand ging Vater und klein Anna die Straße entlang, überall in den Fenstern

    sah man schon Weihnachtsbeleuchtungen, in manchen Vorgärten standen beleuchtete Tannenbäume.

    Klein Anna plapperte ununterbrochen,

    „ Nur noch einmal schlafen“ „ Nur noch einmal schlafen“

    und der Vater überlegte sich die ganze Zeit was er über den Himmel erzählen sollte.

    Zu Hause war es schön warm, überall standen Adventsachen, kleine Engel als Kerzenleuchter, Weihrauchhäuschen, ein Adventkranz hing von der Decke und auch eine Krippe durfte nicht fehlen.

    Klein Anna lief sofort in ihr Zimmer, denn sie hatte in der Früh vergessen das 23zigste Türchen vom Advent - Kalender aufzumachen.

    „ Papa ein Schokolade – Stern! Darf ich noch naschen?“ „ Nein erst nach den Abendessen“

    „ Zu spät! Er war so weich, dass ich ihm nicht mehr halten konnte!“

    „ Anna, man darf doch zu Weihnachten nicht lügen!“ „ Sonst schon?“ „ Anna bitte geh jetzt Hände waschen und komm essen!“

    „ Okay, aber vergiss nicht, du hast mir versprochen eine Geschichte über den Himmel zu erzählen“

    Während des Essens und auch als Anna badete überlegte der Vater:

    “Was soll ich über den Himmel erzählen? Vielleicht vergisst sie? Oder mir wird schon was einfallen“

    Nach dem Baden wollte Anna unbedingt noch das Video vom „Rudolf das Rentier“ sehen der Vater verzichte zum zwanzigsten mal auf die Abendnachrichten, denn so oft hatten sie sich heuer schon den „Rudolf“ angeschaut. „ Aber dann ins Bett“ „ Und nur noch einmal schlafen!“

    Als der Film zu Ende war lief Anna zum Fernseher drückte die Austaste, lief zurück zum Vater, kuschelte sich an Ihn und sagte:
    „ Und nun noch die Geschichte vom Himmel!“

    „ Nun gut, der Himmel ist ganz, ganz weit oben, manchmal ist er ganz blau mit kleinen weißen Wolken und in der Nacht, sind Sterne und der gute alte Mond, Papa das weiß ich doch, Ich will nicht wissen AM Himmel ich möchte was wissen IM Himmel“

    „ Aha, na gut, im Himmel ist jetzt irrsinnig viel los das Christkind hat alle Wunschzettel eingesammelt und abgeliefert. Jetzt sind alle Engel beschäftigt die Kinderwünsche zu erfüllen.“

    „Die Mama ist ja auch im Himmel, ist sie auch ein Engel?“ „ Aber ja mein Liebes, sie ist Dein Schutzengel „ „Dann hat sie auch meinen Wunschzettel gelesen?“

    „ Aber sicher, du wirst sehn morgen Abend unter den Weihnachtsbaum werden alle deine Wünsche erfüllt sein.

    Heute Nacht wird aber noch gearbeitet, gebastelt und genäht, gehämmert und geklopft und das so laut, dass davon Frau Holle aufwacht und ihre Betten schüttelt dass es auch so richtig weihnachtlich auf Erden wird. Mama hat den Schnee so geliebt, sie war dann wieder wie ein Kind und dann kam die Krankheit und dann waren nur noch wir zwei.“

    Und der Vater erzählte noch soviel vom Himmel, dass er gar nicht gleich merkte, dass Anna schon eingeschlafen war.

    Er brachte sie ins Bettchen und verließ ganz leise das Kinderzimmer. Dann holte er den Wunschzettel und überprüfte nochmals alle Geschenke. Bei den Päckchen mit der Puppe, die weinen und Mama sagen kann, wechselte er den Anhänger nochmals aus. Statt "Vom Christkind" schrieb er „Von Deiner Mama“ und er merkte gar nicht dass unter den Tränen die Tinte zerrann.

    Da er innerlich so aufgewühlt war und sicher noch nicht schlafen konnte,

    setzte er sich an die Schreibmaschine und schrieb:

    „ Papa, erzähl mir vom Himmel“.

  9. #49
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    Wie die drei Waisen aus dem Morgenlande-es allen Schwierigkeiten zum Trotze doch noch rechtzeitig bis zum Stall in Bethlehem schafften.

    von Sybille Mertens


    Die fetten Kamele jaulten gequält auf, und der Galoppometer zitterte bedenklich um die 60-Meile-Marke. Quietschend gingen die hellbraunen Trampeltiere in die Steilkurve der Wüstenpiste.
    "Balthasar", mahnte Kaspar, der auf dem zweiten Kamel saß, zum x-ten Male den Vorreiter, "gib mehr Stoff. Wir schaffen's sonst nie! Das wird ein Riesenreinfall!"
    Balthasar grinste müde und presste den Treibschenkel fester in die Weichen seines Reittieres. "Hast wohl schiss, Alter, was?"
    "Mann", erwiderte Kaspar, "das hat doch nix mit Schiss zu tun. Ist nur 'ne Überlebensfrage. Ich möchte gern in die biblische Weihnachtsgeschichte eingehen. Er ist jetzt ganz dicht vor uns. Siehst du ihn?"
    Er deutete auf den blendend blauen zuckenden Stern, der groß jenseits des Grenzübergangs zu sehen war.

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    "Seh' ich doch locker ohne Pupille", erklärte Balthasar und gab seinem Kamel so heftig die Peitsche, dass dieses mitten im Galopp einen ungetümen Satz macht, der Balthasar fast aus den Höckern gehauen hätte.
    Melchior, der Schlussmann der kleinen Karawane, sagte gar nichts, obwohl er genauso wie Kaspar dachte, sondern keuchte nur schwer. Der lange Ritt nahm ihn körperlich mit.
    Nur wenige Stadien vor ihnen und etwa 120 Klafter tiefer leuchteten zahlreiche Lichter in der Dunkelheit. Vor einer knappen halben Stunde bereits hatten sie die beiden Schilder mit den Hinweisen "Noch 15 Meilen bis Bethlehem" und "Zum Toten Meer rechts einordnen" passiert.
    Unumstößliche Tatsache war, dass die Zeit drängte. Den Vorhersagen und ihren eigenen, gemeinhin recht zuverlässigen Berechnungen nach, musste es jeden Augenblick passieren. Ein Indiz dafür war, dass der blendend blaue Stern intensiver zuckte und pulste, gerade so, als litte er unter himmlischen Wehen und sei kurz vorm Kreißen.
    Unvermittelt sahen sich die drei Weisen, die interessanterweise auch noch Waisen waren - was sinnigerweise nicht überliefert wurde -, nach dem Überreiten einer Wanderdüne mit einem Meer lodernder Fackeln konfrontiert, die drei gewaltigen, gesenkte Schlagbäume, eine ebensolche Anzahl von Wachhäuschen sowie eine daneben befindliche Wachstation erleuchteten.
    "Willkommen in der Zählstadt Bethlehem, Kreis Judäa!" stand da in lateinischen und:

    áøåëéí äáàéí ìòéø äñôéøä áéú ìçí, îçåæ éäåãä

    hebräischen Buchstaben
    auf einem Schild.
    Und auf einem anderen:
    "Achtung! Noch zwei Stadien bis zur Grenze! Ausweispapyri bereithalten!"

    úùåîú ìá! òåã ùðé àöèãéåðéí ìâáåì! úëéï ôôéøåñ!"


    Der Andrang der Menschenmassen an Schlagbäumen und Wachstation war unglaublich. Ein akustischen Gewölk von Geschrei, Gewieher, Gejaule, Gesumm und Gebrumm empfing die drei herangaloppierenden Weisen.
    Ohne Vorankündigung zügelte Balthasar sein Kamel. In letzter Sekunde nur konnten Kaspar und Melchior ein Aufreiten verhindern, indem sie seitlich auswichen.
    Die beiden fluchten unschön und schauten ihren Vorreiter vorwurfsvoll fragend an.
    "Da kommen wir doch nie durch! Machen wir lieber kehrt!" meinte Balthasar resignierend, was überhaupt nicht zu seiner Art paßte.
    "Wieso?" wollte Melchior wissen.
    "Na, sieh dir doch mal die Warteschlange an!" Balthasar deutete auf den rechten Schlagbaum, neben dem das Schild "Morgenländer hier einreiten!" stand, und die davor befindliche Schlange. "Bis wir abgefertigt sind, ist alles vorbei!"
    "Oh, ja", meinte Melchior betrübt und senkte zerknirscht sein turbangekröntes Haupt. "Das hätten wir natürlich vorhersehen müssen."
    "Ich hab's vorhergesehen", erklärte Kaspar beschwichtigend, "und deshalb Vorsorge getroffen. Lasst mich nur machen."
    Er griff in eine seiner Satteltaschen und entnahm ihr drei große Umhängeschilder, auf denen in Hebräisch und Lateinisch "VIP" geschrieben stand. Zwei davon reichte er seinen Begleitern. "Hängt sie euch um."
    Balthasar und Melchior wechselten einen erstaunten Blick, befolgten aber Kaspars Anweisungen, der sich nunmehr an die Spitze der kleinen Karawane setzte und auf besagten Schlagbaum zutrabte.
    Im Vorbeireiten sahen die drei, dass die Warteschlange an dem mit "Römer hier einreiten" beschilderten Durchlass am kürzesten, die an dem mit "Judäer hier einreiten" markierten am längsten war.
    Die Massen wichen zunächst mürrisch und erbost, dann aber ehrfurchtsvoll beiseite, als sie erkannten, was auf den Schildern der drei Weisen stand, die an ihnen vorbeidrängten.
    "Heil, Augustus! Halt!" brüllte der römische Legionär neben dem Schlagbaum und hob drohend seinen Speer. "Vordrängeln gibt's nicht! Stellt Euch an, wie alle anderen auch!"
    Kaspar deutete mit gewichtiger Miene auf sein "VIP" Schild. "Heil, Augustus! Könnt Ihr nicht lesen, guter Mann?" fragte er.
    "Natürlich", erwiderte der Angesprochene gekränkt, doch zugleich sichtlich beeindruckt. "Das muss ich wohl übersehen haben. Verzeiht."
    "Schon gut, schon gut". Kaspar winkte ab. "Dürfen wir passieren?"
    "Die Formalitäten müsst Ihr schon über Euch ergehen lassen, edle VIP-Herren", erwiderte der Legionär nunmehr freundlicherer Miene. "Habt Ihr die Papyri zur Hand? Welches ist der zweck Eures Besuches? Seid Ihr beruflich oder als Touristen hier? Habt Ihr anmeldepflichtige Waren bei Euch?" Er schaute die drei Weisen fragend an.
    Die reichten ihm zunächst ihre Ausweispapyri.
    "Ah", meinte der Legionär, nachdem er einen kurzen Blick darauf geworfen hatte, "interessant. Bei Euch allen ist die Berufsbezeichnung "Weiser aus dem Morgenlande" eingetragen". Er musterte die drei plötzlich unterwürfig. "Seid Ihr etwa diese berühmten Wahrsager...?" Er beendete den Satz nicht, sondern geriet ins Sinnen.
    "Aber gewiss doch, guter Mann", sagte Balthasar ungeduldig. "Es steht ja da. Nun lasst uns endlich passieren. Wir sind in Eile!"
    Der Legionär reichte ihnen langsam die Papyri zurück und stützte sich auf seinen Speer "Ihr wisst gewiss, edle Herren", meinte er dann. "dass - VIP hin, VIP her - hier Rom das Sagen hat. Ich muss also auf der Einhaltung der Einreiseformalitäten bestehen."
    "Na schön", erklärte Kaspar. "Zweck unseres Besuches ist die Anbetung eines Kindes mit gleichzeitiger Übergabe von Geschenken. Woraus sich wohl von selbst ergibt, dass wir aus beruflichen Gründen hier sind. Und anmeldepflichtige Waren haben wir nicht. Genügt das als Auskunft?"
    "Geschenke?" Der Legionär runzelte die Stirn. "Und doch keine anmeldepflichtigen Waren? Hmm!"
    Er lehnte seinen Speer ans Wachhäuschen, nahm den Helm ab und kratzte sich ebenso verunsichert wie verlegen den Schädel.
    "Wenn Ihr's genau wissen wollt", meldete sich ungehalten Balthasar, der wieder ganz der alte war, zu Worte, "wir führen nur die üblichen zollfreien Mengen von Weihrauch, Myrrhe und Gold mit. Überzeugt Euch doch selbst, wenn Ihr uns nicht glaubt! Macht schon, denn sonst werden wir bei Eurem Vorgesetzten eine Beschwerde einreichen, die Euch ein halbes Jahr Galeere einbringen kann, wie Ihr Euch wohl denken könnt".
    Der Legionär verneigte sich und griff zur Kurbel des Schlagbaums um diesen hochzudrehen.
    "Verzeiht, verzeiht, edle Herren! Natürlich dürft Ihr passieren!" rief er. "Ich dachte nur, dass Ihr, da Ihr so weise seid, einem bescheiden besoldeten Legionär einen heißen Tipp geben könntet"; fügte er hinzu und sah die drei Weisen fast flehentlich bittend an, die ihre Kamele zu treiben begannen.
    "Was für ein Tipp?" fragte Melchior, der sich wieder ans Ende der kleinen Karawane gesetzt hatte, in einem aufwallenden Gefühl von Mitleid für den römischen Besatzer.
    "Ich wüsste gern die Lottozahlen der Weihnachtsausspielung", sagte der Legionär. "Wenn ich sechs Richtige hätte, könnte ich endlich in Pension gehen. Am Tag vor Heiligabend ist Annahmeschluss".
    Melchior hielt sein Kamel an. "Wenn's weiter nichts ist." Er schaute zu dem blendend blauen zuckenden Stern hinüber, der jetzt über einem abbruchreifen Stall verweilte, und schloss kurz die Augen. "Die sechs Gewinnzahlen für Euch zum Mitschreiben", meinte Melchior dann gönnerhaft und fuhr fort: "Sieben, acht, neun, zehn, zwölf, vierundzwanzig. Und die Zusatzzahl ist Null."
    "Ich danke Euch, edler Herr", jauchzte der Legionär überschwenglich, der die Zahlen eifrig notiert hatte, dieweil Melchior seinem Kamel die Sporen gab. "Das werde ich Euch nie vergessen!"
    "Melchior!!!" brüllten Kaspar und Balthasar, die schon weitergeritten waren, unisono, "Nun komm endlich!"
    "Ich komme ja schon", rief Melchior ihnen zu." Und an den Legionär gewandt sagte der im Angalopp: "Dankt mir lieber nicht, guter Mann. Annahmeschluss war nämlich gestern.

    Heute ist Heiligabend !"

    *****
    Liebe Leser...

    ... es ist so weit, diese etwas spaßigen Weihnachtsgeschichte, soll für dieses Jahr meine letzte gewesen sein.


    Noch ein Hinweis:
    im Durchschnitt waren es täglich ca. 80 “Hits” -die ich allerdings mit Leser bezeichne- die in diesem “Weihnachten”-Thread gelesen haben.
    Alle gepostet Beiträge, -”wurden im www ausgegrabenen", deshalb wird so manch einer von euch, die eine oder andere Geschichte schon gekannt haben.
    Ich hoffe aber, dass ich mit dieser kleinen Auswahl, euch in der heutigen doch so stressigen Zeit etwas Freude oder auch ein Lächeln damit schenken konnte.
    Angedacht war aber auch, dass die eine oder andere Geschichte zum Nachdenken anregen sollte; denn wir sollten es nicht vergessen und stets daran denken, wie gut es uns trotz aller evtl. Schwierigkeiten und Probleme doch geht.


    Ich bedanke mich recht herzlich für eure Aufmerksamkeit und wünsche Allen ein frohes Fest & einen Guten Rutsch ins neue Jahr.

    Bitte bleibt -oder werdet- wieder schön gesund.

    So Gott will, starte ich nächstes Jahr -zum 1.Advent- diesen Thread wieder -mit kürzeren oder auch längeren- Geschichten.

    Mit einem Klassiker von "Jose Feliciano"-
    Feliz Navidad (Official Video 2016) verabschiede ich mich.

    https://www.youtube.com/watch?v=0UVU...Kd4Iix&index=2





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